“Wasch’ mich, aber mach’ mir nicht den Pelz nass!”

Kandidaten (m/w/d), die keine Wechselbereitschaft mitbringen

Über die Jahre habe ich die unterschiedlichsten Kandidatentypen (m/w/d) kennengelernt. 

Es gibt unter all diesen verschiedenen Persönlichkeiten einen Typus (m/w/d), den ich heute näher spezifizieren möchte. Es ist eine Lernkurve für mich gewesen, den Typus „Wasch mich, aber mach’ mich nicht nass!“ zu identifizieren. Ich meine damit jenen Kandidatentyp (m/w/d), dem es gar nicht um den Wechsel als solches geht, sondern um andere verdeckte mögliche Motive. 

Verdeckte Motive

Die Motive, weshalb sich jemand in einen Prozess begibt, obwohl er vermeintlich gar nicht wechseln möchte sind vielfältig. Nachfolgend findet sich ein Auszug meiner Sammlung:

– Verhandlungsposition mit dem aktuellen Arbeitgeber verbessern

(Draußen bekomme ich aktuell EUR … Mir liegt schon ein Angebot vor!)

– Stärkung des Selbstwerts bei positivem Feedback durch andere potentielle Arbeitgeber

(Alle wollen mich!)

– das Umfeld drängt

(Mensch, Du meckerst immer so viel. Suche Dir was neues! Eigentlich geht es aber nur um das Meckern und gar nicht so sehr um die Lösung.)

– Vergleichsmomente schaffen

(Wenn ich nicht in ein anderes Haus gucke, weiß ich ja nicht, was es da gibt!)

– auf das „Haar in der Suppe“ konditioniert 

(Überall gleich!)

– usw.

Erkennen und einen Umgang finden

Meist meldet sich mein Gefühl im Interview. Inzwischen habe ich mir angewöhnt mit Fragen zu arbeiten, die ein positives Gelingen beim Kunden XYZ voraussetzen. Also Fragen, die in die Zukunft gerichtet sind.

Z.B.:

Sie kommen aus einem anderen Rechtsgebiet. Das wäre bei Kunden XYZ neu, wie eignen Sie sich das an? 

Welche von Ihren jetzigen Kompetenzen könnten Sie für das ….-Rechtsgebiet gut gebrauchen?

Woran werden Sie sich im Hinblick auf Ihren alten Arbeitgeber gern erinnern?

Kandidaten (m/w/d), denen es nicht um einen Wechsel geht, haben hier in der Regel ausweichende, nicht stimmige Antworten parat. 

Es bietet sich hier auch immer die Frage „Was sagt Ihr aktueller Arbeitgeber zu Ihrer Kündigung, wenn das Gespräch morgen zielführend läuft?“ an. Die Kandidaten (m/w/d), die sich mit einem Wechsel auseinandergesetzt und diesbezüglich eine Entscheidung getroffen haben, haben meist ein sehr konkretes Szenario dafür entworfen.

Habe ich den Eindruck, dass mein Gegenüber gar nicht wechseln möchte, thematisiere ich das in einer Fragestellung. Manchen Kandidaten ist dieser Vorgang nicht bewusst. Denen schlage ich dann vor, sich Zeit zu nehmen und sich mit der Frage nach einem anstehenden Wechsel auseinanderzusetzen. 

Fazit

Störungen haben immer Vorrang. Einen Satz, den ich früh gelernt und verinnerlicht habe. Dieser Satz meint, dass ich möglicherweise eine Störung im Laufe des Interviews oder auch späteren Prozesses wahrnehme. Ich versuche mehr Klarheit durch Fragen zu bekommen. Das hat für mich Priorität und nicht der Prozess und sein Ergebnis als solches. Die Erfahrung zeigt, dass die Kandidaten (m/w/d), die aus einer anderen Motivation als die Wechselbereitschaft im Prozess sind, niemals einen Vertrag unterschreiben. Je früher ich das erkenne, umso wertvoller für alle.